Organsiationen, Kommissionen, Schulen... warum eigentlich???


Ich versuche mal da ein wenig Licht ins dunkel zu bringen für diejenigen, die da nicht so firm sind.
Die meisten kennen ja nun Irish Dance aus den Shows wie Riverdance oder Lord of the Dance, die ja auch oft genug im TV liefen. Das ist zwar “Irish Dance” wie wir ihn toll finden und sehen wollen, aber die Wurzeln liegen doch etwas anders. Die Shows zeigen, wie der Name schon sagt, eher Showdance und nicht unbedingt den traditionellen Irish Dance.

Das ist eigentlich ein Wettkampsport, der von jüngsten und Jugendlichen betrieben wird und eigentlich bei den älteren ab ca. 20 Jahren dann nicht mehr betrieben wird. Dieser Sport hat wie andere Sportarten auch feste Regeln und Vorschriften, und wie das nun mal ist, werden diese natürlich überwacht, geändert, angepasst etc. von “Vereinen” oder Dachverbänden, wie man bei uns sagen würde. Da nicht immer alle die gleiche Meinung haben und andere Dinge durchsetzen wollen, haben sich davon nun im Laufe der Zeit einige entwickelt, was heutzutage die Komissionen wie die CLRG oder die An Comhdháil, CRG oder CRN sind.
 

Seit den Anfängen auf dieser Site hat sich doch so einiges getan, nicht nur in Deutschland. Waren zu Beginn des Irish-Dance Fiebers nur selten einige vereinzelte Lehrer, meist von der An Coimisiun, in Deutschland und Umgebung hier und da für Workshops zu haben oder sogar für einigermaßen regelmässigen Unterricht, hat sich das nun doch ein wenig geändert.

Es hat sich ein Ableger der
CLRG ( Abkürzung für An Coimisiún le R incí Gaelacha, oder auch kurz An Com genannt) jenseits der grünen Insel gebildet, die sogenannte RTME ( steht für Registered Teachers Mainland Europe). Diese vertritt im Prinzip die Interessen der CLRG ausserhalb Irlands.

Diese RTME nun hatte und hat zum Ziel, Irish Dance nach den Richtlinien der CLRG auch ausserhalb Irlands, also hier bei uns und in den Nachbarländern, zu lehren und weiterzuverbreiten. Nach diesen Richtlinien dürfen das auch nur von der Organisation CLRG geprüfte und zertifizierte Leher (das sind dann die mysteriösen TCRG´s) übernehmen  und/oder solche, die einen gewissen “Status” bei der CLRG haben. Aus Gründen der Qualität ist das ja auch durchaus nachvollziehbar; ist es ja auch nicht einfach den Titel eines TCRG zu erwerben

Nun ist es ja so, das es in Irland etwas übertrieben gesagt  “eine CLRG-Tanzschule neben der anderen” gibt, also quasi an jeder Ecke. Bei der langen Tradition dort auch kein Wunder. Natürlich auch Schulen anderer Organisationen.
Somit haben Tanzinteressierte dort kaum Probleme, eine für sie passende Schule zu finden. Bei uns nun ist das freilich etwas anders. Seit den Anfängen hier bei uns haben wir mittlerweile folgende mit CLRG bzw. RTME verbandelte Lehrer:

meines Wissens in Deutschland: Aine Halpin, Mary Sweeny, Robert Gabriell, Sean Kilkenny
daneben noch Sean Carmody und Bill Wheelan, wo ich aber nicht weiss ob die mit der An Com ....

dann in Holland: Ann Gallagher,  Catherine Redmond,  Sean Kilkenny
in Belgien:          Annemie Thijs und Christine Verbiest
Frankreich:        noch nicht so lange  Sarah Clarke
Österreich:        Anne Marie Cunningham, die Habermayers und  Stephen Scariff
 Polen,  Italien , Russland, Norwegen,  Schweiz haben dann auch noch je 1-2 Lehrer/Schulen.

Mein persönliches Resümee nach dieser Zeit, stehen wir doch kurz vor dem Jahr 2006:

in den letzten Jahren ist es der AnCom leider nicht gelungen, hier nur annähernd flächendeckend etwas aufzubauen. Zum einen, weil es nicht genug Lehrer ausserhalb Irlands, Englands oder der USA gibt, die Interesse daran haben, in Deutschland oder in den Nachbarländern etwas aufzubauen und dort zu bleiben.

Und ist es den interessierten Leuten auch nicht unbedingt  zuzumuten, hunderte von Kilometern zu einer der wenigen Schulen zu fahren, um regelmässig qualifizierten Unterricht zu erhalten. Diese Erwartungshaltung scheint aber bei einigen Lehrern vorzuherrschen. Ganz zu schweigen von einigen sehr merkwürdigen oder antiquierten Regelungen, die ich persönlich weder verstehen noch akzeptieren kann.

Somit haben sich im Laufe der Zeit viele Gruppen und Grüppchen gebildet, die einfach Spaß am Irischen Tanz haben und die nicht unbedingt Wettkämpfe ausrichten wollen oder viel Geld für Anreise und Unterricht ausgeben wollen.

Es ist aber leider auch vielen durchaus Interessierten aus diversen Gründen, meistwegen zu grosser Entfernung, nicht möglich, bei einer AnCom-Schule oder dementsprechenden Lehrer regelmässig Unterricht zu nehmen. Auch wenn einige der Lehrer in verschiedenen Ländern Unterricht abhalten, zerreissen können sie sich auch nicht, und ob das dann noch qualitativ gut ist??

Hier müsste CLRG oder RTME dringend mehr tun, wenn sie Ihrem eigenen Anspruch gerecht werden wollen bzw. überhaupt wollen.

Die kleineren Organisationen sind hier bei uns meines Wissens überhaupt nicht vertreten.
 

Dann gibt es da seit Ende 2004 plötzlich noch eine Organisation, die WIDA !?
 (World Irish Dance Association)      Was ist das denn nun wieder ???

Die WIDA wurde gegründet von einem ehemaligen AnCom-Lehrer, der in den Staaten eine sehr erfolgreiche Schule hatte. Nun hat er sich die Szene hier und in anderen Ländern auch ein wenig angesehen und beschlossen, eine Organisation zu gründen, die kleinere Organisationen bündelt, die weniger strikt ist und mehr Menschen den Spaß am irischen Tanz vermitteln soll, Wettbewerbe durchführt  und, vor allen Dingen:  qualifizierte Lehrer für Irischen Tanz auszubildet!

Diese Ausbildung ist quasi die gleiche wie drüben in Irland, bzw. die Prüfungen für den Lehrer, der dann auch den Titel TCRG erhält. Da die Prüfungen also gleichermassen hart sind und auch von Irischen TCRG´s oder ADCRG`s nach strengen Richtlinien abgenommen werden, wird hier keinem etwas geschenkt.

Es ist nachvollziehbar, das natürlich beispielsweise deutsche angehende Lehrer nicht die Tanzerfahrungen haben können wie ihre Irischen Kollegen, allein weil Irish Dance in Deutschland ja bis auf ganz wenige Ausnahmen noch nicht allzu lange betrieben wird. Dann kommt hinzu, das hier der Altersdurchschnitt ja viel höher ist und wir hier nicht im Kindesalter angefangen haben.

Also liegt der Schwerpunkt der Ausbildung weniger auf den persönlichen tänzerischen Fertigkeiten des jeweiligen Lehrers, sondern vielmehr auf deren Fähigkeit ihr (hoffentlich dannn vorhandenes) Wissen weiterzugeben und zu lehren.
Wie sich das ganze entwickelt, bleibt abzuwarten, meines Wissens haben wir noch keinen WIDA-TCRG. (Update: Anfang 2007 gibt es nun 5 oder 6 WIDA-TCRG`s) !

Wenn ich mir jedoch ansehe, was diese neue Organisation in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft hat, wie viele mittlerweile mit viel Eifer und Ehrgeiz versuchen eine gute Lehrer-Ausbildung zu machen, wie viele Wettbewerbe es schon gibt, dann sag ich nur: Hut ab, die bewegen etwas!   Bleibt zu hoffen, das es positiv weitergeht.

Verständlich, wenn nun die andere Organisationen das ganze argwöhnisch beäugen, aber:  liebe Leute, von nichts kommt nichts und das haben die anderen eindeutig verschlafen. Ich habe viele Leute viel reden hören, passiert ist aber leider nicht das, was viele hier erwartet oder erhofft hätten.

Ich fände es sehr schade, wenn es jetzt nur zu negativem Konkurrenzdenken kommen sollte, schliesslich haben doch alle eines gemeinsam:

Den Spaß am irischen Tanz, und nur so, durch Spaß , Leidenschaft und Freude, wird das auch weiterverbreitet!

Es gibt noch viel unentdecktes Potenzial in Deutschland und den Nachbarländern, und das gilt es zu aktivieren, zu motivieren und jenen den Spaß am ID näherzubringen.

Durch Querelen, restriktive Maßnahmen oder Regelungen oder Arroganz oder Ignoranz wird das sicherlich nicht gelingen!

Aber ein Gutes hat das ganze auf jeden Fall: Es gibt mittlerweile deutlich mehr Möglichkeiten für Interessierte, Irish Dance zu erlernen, und zwar nicht nur in den grossen Städten. Bleibt zu wünschen, daß sich das so weiterentwickelt.